Von Kuehen und vom Regen
Montag, 18. September 2006
Der Sonntag neigt sich seinem Ende zu und ich sitze in unserer Bude, um mal wieder etwas zu Papier zu bringen.
Draussen singt der Wind sein einsames Lied, unterstuetzt durch das Trommeln von Regentropfen an die Fensterscheiben.
Das Wetter war waehrend den letzten Tagen nicht wirklich so, wie man sich typisch suedafrikanisches Wetter eben vorstellt.
Tagsueber ist es zwar nicht wirklich kalt, aber regnerisch. Abends gesellt sich dann noch Wind zum Regen und es wird doch kalt.
Alles in allem also das perfekte Wetter, um nach Durban zu fahren und an den Strand zu gehen.
Ich war vorher noch nie an der “Beachfront” gewesen, hatte aber gehoert, dass sich da einige Basketballspieler herumtreiben sollen.
Und da ich mir momentan in den Kopf gesetzt habe, einer lokalen Mannschaft beizutreten (so, wie es die Zeit halt zulaesst) um fit zu bleiben
und einen gewissen Ausgleich zu haben, begleitete ich Malte, Till (die beiden vom Strassenkinder-Projekt Street-Wise) und Jonas (der von mir) nach eThekwini, wie Durban seit 2005 offiziell heisst.
Um das mal gleich vorweg zu nehmen: Basketballer habe ich keine getroffen, wahrscheinlich hatte keiner von denen Lust, sich bei jedem Dribbling den Matsch aus den Augen zu wischen, den der Aufprall des Balles in eine Pfuetze dorthin befoerdert hat.
Initiator des Trips war Till gewesen, der sich hier am Strand ein gutes Surfbrett besorgen wollte. Um das ebenfalls mal vorweg zu nehmen: So wie ich am Ende des Ausflugs kein Team hatte, besass Till auch kein Board. Im nachhinein betrachtet war unser
Sonntagsausflug ein Schlag ins Wasser (HAHAHAHAHA), aber Spass gemacht hat Durban doch irgendwie. Auf dem Rueckweg haben wir dann noch im Pavillion vorbeigeschaut, einem Konsumtempel, der sich aus dutzenden Supermaerkten zusammensetzt.
Der Anblick ist ziemlich ueberwaeltigend, leider hatte ich meine Kamera nicht dabei. Bei dem Besuch des Pavillions ist mir wieder aufgefallen, wie viele Inder es doch hier in Durban und Umgebung gibt. Ich habe mal irgendwo gelesen (weiss aber nicht, ob es auch stimmt), dass in Durban die groesste Ansammlung von Indern ausserhalb Indiens zu finden ist. Dementsprechend haben wir auch schon mehr als einmal Curry gegessen. Leider war es atommaessig scharf und ich will nie wieder boeses, boeses, indisches Essen zu mir nehmen
An den vorigen Tagen lief alles glatt und ohne besondere Ereignisse. Wir haben unser Rotationsprogramm durchgezogen, welches diese Woche noch bis zu den Ferien fortgefuehrt wird. Danach entscheiden wir uns dann, in welchen Sektionen der Schule wir die groesste Hilfe sind und konzentrieren uns dann speziell auf diese Abteilungen. Waehrend der Schulferien wird Jonas noch einmal die Rohwers mit seiner Anwesenheit begluecken, die uns schon beim OAT Obdach gewaehrt hatten. Ob ich bei ihm bleibe, weiss ich noch nicht, da ich nicht so der Computer-Typ bin und Waterfall auch nicht ganz meinen Wohngeschmack trifft. Hier findet man nur Anwesen von weissen, aelteren Herrschaften, die sich und ihren Besitz einzaeunen. Die einzigen Schwarzen, die man hier sieht, sind die Hausangestellten dieser Familien. Irgendwie habe ich das Gefuehl, als ob die Ortsansaessigen hier ein wenig “perfekte Welt” spielen und zu ignorieren versuchen, dass es auch Menschen gibt, die weitaus schlechter wohnen als sie selber. Wie gesagt, ich muss mir noch ueberlegen, wie ich die Ferien verbringe. Vielleicht beschaeftige ich mich mit Prems Idee einer Braille-Bibliothek, mal sehen. Eine Woche ist ja noch Zeit.
Kulinarisch gesehen entwickeln wir uns langsam aber sicher. Die alte Herdplatte von den beiden Felixen wurde ausgegraben und leistete uns bereits gute Dienste. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Spinat gekocht. Das hoert sich jetzt nicht so grossartig an. Wenn man es bedenkt, dann ist es eigentlich auch nichts Besonderes. Na ja, wenigstens hat er gut geschmeckt. Die Herdplatte verdraengt schleichend den Toaster. Gleichzeitig kann man beides nicht benutzen, da dabei dann die Sicherung rausfliegt, wie wir leidvoll feststellen mussten. Ich spiele auch immer mehr mit dem Gedanken, mal eine der saftigen Kuehe zu schlachten, die regelmaessig vor unserer Tuer stehen und grasen. Auf eine bin ich sowieso schon sauer, sie hat doch tatsaechlich die Unverschaemtheit an den Tag gelegt, mich anzugreifen. Passiert ist nichts, aber irgendwann, wenn sie mal nicht schaut… Ich bin bereit. Ich habe auch schon Kaesefondue á la Loeffel und Kerze gegessen und muss sagen, dass es ganz gut geschmect hat. Den Witz mit dem Heroin kenn ich uebrigens schon.
Auch mussten wir neulich auf dem Rueckweg von Hillcrest einmal mehr am eigenen Leib erfahren, dass Taxen nicht dann fahren, wenn man will, sondern erst, wenn sie voll sind. So sassen wir geschlagene anderthalb Stunden in dem Kleinbus, bis er sich in Richtung Inchanga bewegt hat. Aber wenn die richtigen Leute mit einem warten, dann geht das eigentlich. Genau wie Hochzeiten oder andere gesellschaftliche Ereignisse sind Taxifahrten ein geeigneter Naehrboden fuer neue Bekanntschaften.
Da der Jonas das Schul-Internet repariert hat, kann ich diesen Text sogar heute schon hochladen. Jeden Mittwoch werde ich voraussichtlich aber immer noch im Internet-Cafe anzutreffen sein, da die Schul-PCs schon sehr langsam sind, gerade das Hochladen von Blogeintraegen nimmt viel Zeit in Anspruch.
Bis uebermorgen dann.
Ein schoenes Wochenende
Oh Mann! Was fuer ein Wochenende…
Wenn ihr wollt, nehme ich euch mit auf eine kleine Reise. Besorgt euch eine heisse Schokolade, ein paar Kekse und lehnt euch zurueck, waehrend ich schildere, was das letzte Wochenende fuer mich bereithielt.
Am Freitag verliessen Jonas und ich das Schulgelaende um exakt dreizehn Uhr dreissig.
Es war ein guter Vormittag gewesen.
Wir hatten uns unter Anderem um das alte Klavier gekuemmert, das im Store Room der Schule zu verrotten gedroht hatte. Da der Jonas ja bekanntlich ein alter Reparier-Fuchs ist, waren die kaputten Stellen schnell wieder gefixt.
Das einzige, das dem Instrument jetzt noch zu seinem Glueck fehlte, war ein Klavierstimmer.
Oder eine Klavierstimmerin.
Sue-Ann, Mitarbeiterin in der OT-Abteilung (Occupational Therapy//Beschaaeftigungstherapie) hatte angedeutet, wohl einen Klavierstimmer zu kennen.
Wir besorgten uns also die Nummer von “Jimmy” und konnten ihn in anschliessendem Telefonat dazu ermuntern, dem alten Klavier einen Besuch abzustatten.
Am Montag wollte er kommen, hat diese Ansage mittlerweile allerdings auf Donnerstag revidiert.
Na ja, Hauptsache, er kommt ueberhaupt.
Nachdem wir die Schule hinter uns gelassen hatten, machten wir uns daran, unserer Behausung einige neue Features hinzuzufuegen. Wir suchten in Pinetown das “Cash Converters” auf, eine Einrichtung, bei der man Haushaltsgegenstaende, fuer die man keine Verwendung hat, verkaufen kann.
Andererseits kann man aber auch die Sachen erwerben, die ein Anderer dagelassen hat.
Sozusagen eine Art Flohmarkt mit gesamtkoordinierender Leitung. Wir sahen uns also dort um und fanden auch bald einen alten Toaster, der uns anlachte. Wir konnten gar nicht anders, als ihn mitzunehmen.
Nicht schlecht staunten wir allerdings, als an der Kasse Vorname, Nachname und ID-Nummer verlangt wurden.
Ich setzte einen eiskalten Blick auf und schaute der Verkaeuferin mit weit aufgerissenen Augen tief in die ihren, waehrend ich meinen Kopf langsam in Schraeglage befoerderte. Nach etwa 10 Minuten totenstillem Blickduell sagte ich: “No!” und sie “Ok”. Oder so ungefaehr. Auf jeden Fall konnten wir dann mitsamt Toaster gehen, ohne dass jemand unsere persoenlichen Details wusste. Ha, der hatte ich es gezeigt!
Den restlichen Freitag verlebten wir dann in Ruhe und Gelassenheit vor dem Toaster und fuetterten ihn mit wabbeligen, weissen Teigscheiben. Im Gegenzug belohnte er uns artig mit goldbraunen, knusprigen Toasts. Eine ganze Packung Toastbrot spaeter stand fest, dass wir auf ewig Freunde bleiben wuerden. Zufrieden atmete ich brotduftgeschwaengerte Luft, bis ich dann schliesslich satt und mit einem Laecheln auf dem Gesicht sanft einschlummerte.
Samstag, 9. September 2006. “RING RING” macht dem Jonas sein Handy, denn es ist 9:00 Uhr.
Hurra! Felix, der wieder zurueck aus Durban ist und bis zum Ende der Woche an der Schule verweilt, hat Geburtstag! Endlich 21! Juhu!
Einundzwanzig Mal hatte er jetzt Geburtstag. Allerdings gibt es Ereignisse im Leben, die NUR EINMAL / ganz selten / nicht sehr oft / gut, bei manchen schon oefter / ab und zu auch mehrmals im Leben (Uuuh, wie gesellschaftskritisch, David) stattfinden.
Naemlich Hochzeiten. Und zu solch einer waren wir drei hoechstpersoenlich eingeladen.
Eine Lehrerin der Schule hatte beschlossen, an diesem Tag den heiligen Bund der Ehe einzugehen.
Die erste Station des Tages war eine Kirche in Mphumalanga, einem Township in ca. 15 Minuten Entfernung. Das war auch das erste Mal, dass wir richtig drin waren in einem Township. Und es war genau so, wie man sich ein typisches Ghetto vorstellt. Ueberall lag Muell, die kleinen Behausungen waren von Stacheldraht umzaeunt und Huehner rannten auf den matschigen Wegen umher, um im Muell nach Nahrung zu scharren.
Es ist schon ein wenig komisch wenn man langsam durch eine Siedlung faehrt, und oberkoerperfreie, taetowierte Schwarze, die mit verschraenkten Armen an Maschendrahtzaeunen lehnen, das Auto mit den einzigen Weissen weit und breit langsam mit den Augen verfolgen.
Wir werden hier in Suedafrika zwar in keinster Weise so behandelt, als ob wir stoerende Fremde waeren, aber ich glaube, ich kann trotzdem deutlich nachvollziehen, wie sich ein Schwarzer in “weissen” Gegenden fuehlt. Es ist eine seltsame Erfahrung, wenn einem einfach die ganze Zeit ueber bewusst ist, anders zu sein als die Anderen. Aber ich denke, dieses Gefuehl wird sich auch bald legen, wie gesagt werden wir wirklich ueberall wunderbar akzeptiert. Daran koennten sich viele Leute ein Beispiel nehmen.
Die kirchliche Trauung war wahrlich anders als alle Hochzeiten, die ich bisher erlebt habe. Die Froehlichkeit der Anwesenden lag einfach in der Luft, staendig tanzten alle und sangen dazu, es wurde einfach Stimmung fuer das Brautpaar gemacht. Nachdem noch Freunde der beiden vorgetreten waren, um Gutes ueber Mann und Frau zu erzaehlen, wurde die Trauung vollzugen, abgeschlossen vom obligatorischen Kuss.
Danach machten sich alle Gaeste auf nach Cliffdale, einer kleinen Stadt in der Naehe, um in einem Zelt von gigantischen Ausmassen den privateren Teil des Tages zu begehen.
Neben gutem Essen und Lobreden von Familienmitgliedern, Auftritten von Saengern, Zulu-Taenzern und alten Omas, die herumrannten, hatte man hier die Gelegenheit sehr viele interessante Menschen kennenzulernen und Kontakte zu knuepfen.
Es war einfach eine riesige Feier, die ihren Hoehepunkt dann abends in Hammarsdale erreichte, der dritten Station des Tages.
Hier befindet sich das Geburtshaus des Braeutigams, das an diesem Abend zum Austragungsort einer riesigen Feier wurde. Neben Familienmitgliedern und Freunden fanden sich auch Nachbarn ein, gleichermassen wurden viele Passanten von den Feierlichkeiten in den Bann gezogen und gesellten sich dazu. Wir bekamen viele Hochzeitszeremonien zu sehen, die sehr seltsam anmuten, wenn man nicht gerade zufaellig ein Zulu ist. Nachdem eine Gruppe Jugendlicher abermals eine Runde Zulu-Dance zum Besten gegeben hatte, stroemten alle mit knurrenden Maegen in ein Zelt, um dort in Gruppen zusammenzusitzen und zu essen. Und was fuer ein Essen. Es war zwar nur Kuh, Brot und Salz, aber wirklich sehr delikat. Uns wurde die grosse Ehre zuteil, zuerst vom Fleisch zu bekommen und dazu auch noch sehr gute Stuecke. Derart beehrt schmeckte es nochmal doppelt so gut und alle freuten sich zu hoeren (und zu sehen), dass ihr traditionelles Essen den Gaesten derart mundete. Am Ende wurden wir sogar noch irgendwie heimgefahren und konnten die Zeit zum morgigen Sonntag beliebig ueberbruecken. Ich waehlte hierzu den Schlaf.
Vor einigen Tagen war Sunnyboy mit der Bitte an uns herangetreten, ihm zu helfen, seine Habseligkeiten an einen anderen Ort zu verfrachten, hatte er dort doch einen besseren Arbeitsplatz gefunden.
Natuerlich sagten wir sofort zu, wohlwissend, dass wir hiermit einen guten Gefaehrten ziehen lassen mussten. Jedoch waren wir altruistisch genug um zu erkennen, dass das Glueck eines Freundes wichtiger ist, als jeden Abend gemuetlich Huehnchen zu grillen.
So verfrachteten wir am Sonntag all sein Hab und Gut mitsamt zwei Huehnern in den Chevy, den wir uns von Street-Wise ausgeliehen hatten und machten uns zu dritt auf den Weg nach KwaMashu, ein Ort, der ein Stueck hinter Durban liegt.
Dort angekommen fuhren wir hoch nach Ntuzuma, wo das Haus von Sunnyboys Schwester steht, in dem er von nun an seine Zeit verbringen will.
Bei Ntuzuma handelt es sich um eine wirklich aermliche Wohngegend, aber die Leute dort machen das Beste daraus, indem sie sich gegenseitig helfen, wo sie koennen. Da man sich hier einige Meter ueber KwaMashu befindet, hat man eine wunderbare Sicht auf die umliegende Gegend, bis hin zum Meer.
Wir wurden sofort herzlich empfangen und quasi in die Familie aufgenommen, besonders Amanda, Sunnnyboys kleine Schwester schloss uns gleich ins Herz. Ich habe wirklich selten ein so selbstbewusstes und einzigartiges kleines Maedchen gesehen, Amanda ist einfach wunderbar.
Wir bekamen dann noch eine Mahlzeit serviert, die trotz ihrer Schlichtheit einfach vorzueglich geschmeckt hat. Ich weiss nicht, wie die Leute das hier machen, mit nur zwei kleinen Herdplatten ein so gutes Essen zuzubereiten.
Dann war es Zeit zum Aufbruch, denn wir wollten es weitestgehend vermeiden, in der Dunkelheit umherzufahren. Schweren Herzens fuhren wir also ab, aber wir hatten wieder einmal gelernt, dass materieller Besitz nicht alles ist und eine Familie, auf die man sich verlassen kann, viel wertvoller als Geld ist. Ich will auf jeden Fall wieder einmal nach Ntuzuma, um Sunnyboy und seine Familie zu besuchen. Ausserdem will mich die eine Nachbarin irgendwie heiraten.
Erstaunlich, was man mit Wassertragen alles bewirken kann.
Nicht nur das Wochenende war ereignisreich. Inzwischen befinden wir uns mitten in der woechentlichen Rotation zwischen den sechs Sektionen der Schule. Gestern war ich beispielsweise den ganzen Tag in der V.I.-Abteilung der Ethembeni School.
V.I. bedeutet “Visually Impaired”, ein Begriff, der sich mit “sehbeeintraechtigt” angemessen uebersetzen laesst und Kinder mit Sehbehinderung bis hin zu voelliger Blindheit umfasst.
Es war sehr interessant, zumal ich waehrend des Tages auch mit zwei Lehrerinnen zusammenarbeitete, die selber komplett blind sind. Die Schule hat eine beachtliche, blindengerechte Ausstattung, die in naher Zukunft noch durch eine Braille-Bibliothek erweitert werden soll, ein Projekt, mit dem Jonas und ich uns naeher beschaeftigen wollen. Mehr dazu, wenn es so weit ist.
Puh, ein ganz schoener Brocken diesmal.
Bis naechste Woche!
Lebenszeichen
Hier der aktuelle Stand der Dinge: Jonas und ich sind jetzt quasi “allein”, einer der beiden Felixe ist zwar noch in Suedafrika, aber nicht mehr an der Schule mit uns, er wohnt jetzt direkt in Durban.Um bestmoeglich arbeiten zu koennen, wollen wir die Bereiche finden, in die wir uns am besten einbringen koennen. Die Schule ist in verschiedene Sektionen unterteilt, beispielsweise Physiotherapie, Computer-Abteilung, Administration und so weiter. Damit die Schule auch etwas von unserer Arbeit hat, machen wir in den folgenden Wochen einen Rundgang durch alle Abteilungen, um die Plaetze zu finden, an denen die Hilfe benoetigt wird, die wir leisten koennen. Was selbstverstaendlich immer auf dem Programm steht, ist, dass wir fuer alle Kinder da sind, so gut es eben geht.Aber eine Aufgabe, die nicht direkt die Arbeit mit den Kindern betrifft, ist wahrscheinlich eine gute Ergaenzung. Waehrend dieser Eingewoehnungsphase werden wir tief in die Schule eintauchen und am Ende wirklich wissen, was hier wie ablaeuft.Neben diesem Rundgang finden jede Woche auch Aktivitaeten statt, denen wir regelmaessig beiwohnen wollen.
1) HorseridingAuch als therapeutisches Reiten bekannt, eine kleine Gruppe von Kindern, meist die der AAC-Class, werden per Auto auf eine Farm in der naeheren Umgebung der Schule gebracht. Das Sitzen auf den Ponyruecken entspannt die Kinder total, ausserdem macht es ihnen grossen Spass. Waehrend sie reiten, werden sie rechts und links von zwei von uns Begleitern pro Pony flankiert, einfach um Sicherheit zu gewaehrleisten. Wir waren bereits einmal dabei, auch wir fanden es grossartig. Das Horseriding findet 1x pro Woche statt.
2) FarmgoingWie bereits erwaehnt liegt gegenueber der Schule, parallel zu unserer Unterkunft, eine Farm. Hier gibt es Huehner, aber auch massenweise Gemuese. Montags und Donnerstags ueberqueren ein paar Kinder samt Lehrerin die grosse Strasse, um lebensnahen Naturkundeunterricht zu geniessen. Auch diese Aktivitaet macht den Kindern grossen Spass, hier lernen sie auch wichtige landwirtschaftliche Fakten, die ihnen im spaeteren Leben durchaus eine grosse Hilfe sein koennen. Eventuell wird es dazu kommen, dass das Farmgoing sogar noch einmal mehr pro Woche stattfindet. Mal sehen.
3) AAC-ClassDie Arbeit mit den schwerer behinderten Kindern hat mir grossen Spass gemacht, und so habe ich mich dazu entschlossen, das Werk der beiden Felixe fortzufuehren. Mehrmals pro Woche will ich mich mit ihnen beschaeftigen, von den speziellen Computern habe ich ja schon einmal erzaehlt. Da die Schule leider keine Sprachtherapeutin mehr hat, haben die beiden Felixe kurzerhand versucht, diese Luecke fuer die AAC-Kinder zu stopfen und waren dabei sogar sehr erfolgreich. Ich hoffe, dass mir das ebenso gelingen wird, bin aber zuversichtlich.
Ausserdem haben wir am gestrigen Vormittag den Music Room wieder einigermassen auf Vordermann gebracht. Dabei handelt es sich um ein kleines Haeuschen, das auf dem Schulgelaende steht.Sebastian und Felix (ja, noch einer), die erste Generation von Freiwilligen in Ethembeni, haben dieses Haus bunt gestaltet und in einen Raum verwandelt, in dem Musik gemacht wird und in dem Spielzeug zu finden ist. Waehrend der Zeit hat sich hier ein schoenes Repertoire an Instrumenten und Spielzeugen angesammelt, leider aber auch Staub und Vogelscheisse. In letzter Zeit wurde der Raum nicht mehr richtig genutzt, Jonas und ich wollen das gerne aendern. Man hat hier eine gute Moeglichkeit, Gruppen zu versammeln und Workshops abzuhalten. Nun muessen wir also noch ein bisschen schuften und den alten Glanz zurueck hineinbringen, aber es wird sich lohnen, dessen bin ich mir sicher. Jetzt noch eine kleine Anekdote.Als Gastgeschenke habe ich zehn Stangen Toblerone mitgenommen. Als wir bei den Duffs waren, habe ich ihnen am Abend feierlich eine Stange verehrt. Irgendwie war ihre Reaktion nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Hallo! Schokolade aus DEUTSCHLAND! Etwas Besonderes! “Na ja…”, dachte ich mir dann, “Egal”. Als ich dann nach einer Woche in einem Laden zufaellig Toblerone entdeckt habe, und festgestellt habe, dass sie nur ungefaehr 1,20 Euro kostet, musste ich peinlich beruehrt daran denken, wie ich ueberall bei Gastgebern grossspurig die Dreiecke verteilt habe. Jetzt esse ich sie selber, auch nicht schlecht.So, das wars fuer diese Woche, wahrscheinlich werde ich erst wieder naechsten Mittwoch am Netz sein.
Mal wieder
Hiermit melde ich mich wieder einmal, um euch ueber den momentanen Stand zu informieren. Wir sind wie bereits erwaehnt bei den Rohwers in Waterfall um unser OAT abzuhalten. Mir geht es wieder gut und der Rest der Truppe ist auch fit. Mittlerweile sind wir schon ein bisschen tiefer in unser Gastland eingetaucht, heute waren wir beispielsweise in Durbans Innenstadt, die komplett anders ist als alle Staedte, die ich bis jetzt erlebt habe. Unglaubliche Hektik und riesige Menschenmassen bestimmen das Stadtbild, alle zwei Meter befindet sich ein improvisierter Stand, an welchem Orangen, Tierschaedel oder einfach alle moeglichen Dinge feilgeboten werden. Oft sieht man auch einfach einen Tisch am Strassenrand, auf dem ein paar Telefone stehen, sozusagen oeffentliche “Telefonzellen”. Ausserdem muss man hier extrem auf seine Sicherheit achten, besonders, wenn man anders ist als alle Anderen. 80% der Bevoelkerung Suedafrikas ist schwarz, dazu kommen noch ca. 10% Coloureds, also hellhaeutigere Schwarze. Den Begriff “Farbiger”, den Deutsche gerne fuer Schwarze gebrauchen, koennte man hier also nicht wirklich verwenden, da es ausser Farbigen eben noch die “richtigen” Schwarzen gibt. Die meisten Coloureds haben es ziemlich schwer und oft auch Identifikationsprobleme, da sie fuer viele Weisse zu schwarz, dagegen aber fuer viele Schwarze zu weiss sind. Zurueck zum Thema Sicherheit in suedafrikanischen Grossstaedten. Man sollte sich eben bewusst sein, dass man weiss ist. Falls man weiss ist. Nahezu alle Einheimischen implizieren eine weisse Haut und eine einigermassen gepflegte Erscheinung mit Reichtum oder zumindest ueberdurchschnittlichen Wohlstandsverhaeltnissen. Deswegen bietet man in ihren Augen ein gutes Opfer um angebettelt, oder im Extremfall ausgeraubt zu werden. Letzteres Risiko laesst sich recht gut minimieren, indem man nicht offensichtlich den Orts- und Kulturfremden heraushaengen laesst. Sprich zielloses Herumschlendern, laute Diskussionen in der Heimatsprache oder demonstratives zur Schau Stellen, wie man den Stadtplan moeglichst gross falten kann, sollte vermieden werden. Auch Praesentieren elektronischer Geraete wie Handys, Digitalkameras, Laptops usw. ist keine sehr gute Idee. In Sueadafrika werden sehr viele Verbrechen veruebt, dazu kommt, dass die Kriminalitaet hier besonders brutale Ausmasse angenommen hat, weswegen es an der Tagesordnung ist, Wachmaenner mit Uzis oder MGs herumstolzieren zu sehen.
Wenn man sich mit dem Thema Sicherheit in Suedafrika beschaeftigt, spielt HIV/Aids ebenfalls eine sehr grosse Rolle. Auf diesem Gebiet sind viele Menschen leider immer noch nicht richtig aufgeklaert, ein guter Naehrboden fuer Irrglauben. Im Volkswund wird zum Beispiel behauptet, dass man die Krankheit Aids relativ einfach wieder los wird, man muesse nur mit einer Jungfrau schlafen. So kommt es leider oft dazu, dass kleine Madchen vergewaltigt und haeufig dann eben auch angesteckt werden. Oder wenn man sich Jacob Zuma anschaut, der Chancen auf das Amt des Praesidenten hatte: Zuma hatte Geschlechtsverkehr mit einer Frau, von der er wusste, dass sie HIV-positiv war. Er verzichtete auf Verhuetung, die Sache gelangte an die Oeffentlichkeit und zur Rede gestellt behauptete er, dass Ansteckung nicht moeglich gewesen waere, er haette doch hinterher geduscht. Aber das ist wieder ein anderes Thema, ueber das ich an anderer Stelle ausfuehrlicher berichten will. Allen Sicherheitsrisiken zum Trotz ist Durban eine wahnsinnig interessante und aufregende Stadt. Wir haben auch den Victoria-Market besucht, ein indischer Markt, auf dem man exotische Gewuerze aller Art erstehen kann.
Der siebte Tagesbericht
Mi, 23. 8. 2006
Dieser Tag diente eher dazu, mal ein bisschen abzuschalten und die neuen Eindruecke
in aller Ruhe auf uns wirken lassen zu koennen. Es ging erst so gegen zwoelf los,
als wir uns aus den Betten erhoben und etwas assen. An diesem Mittwoch begannen wir auch, festere Plaene bezueglich unserer Wohnsituation zu schmieden. Von Dani, dem Chef des Training Centers, hatten wir die Zusage erhalten, fuer eine laengere Zeit in unserem
Raum bleiben zu duerfen. Er konnte keine genauen Angaben machen, aber besser als ein
“Nein” ist es auf jeden Fall. Auch haben wir vor, langsam aber sicher ein kleines
Haeuschen hinzustellen. Wann es fertig wird, koennen wir nicht sagen, aber es wird sehr schoen.
Des weiteren sind wir gerade dabei, unsere aktuelle Bleibe etwas wohnlicher zu gestalten.
Momentan sind Betten eben die einzigen vorhandenen Moebel. Regale sollten her und auch ein Schreibtisch waere wohl nicht verkehrt. Allerdings haette ich auch keine Probleme, das
Zimmer so zu lassen, aber wenn es nicht teuer ist, waere ein bisschen Atmosphaere
schon nicht verkehrt. Am Nachmittag kam es dann zu einem Fussballspiel zwischen dem
Ground Staff (Hausmeister, Sicherheitsbeamte etc) der Ethembeni School und dem einer
Gehoerlosenschule ganz in der Naehe. Unsere Schule schnitt als Zweitbeste ab,
waehrend die andere den vorletzten Platz belegte. Auf deutsch: Wir haben 1:4 verloren.
Im Anschluss an das Match, das mehrmals im Jahr ausgetragen wird, ist es eigentlich
Routine, einen gekochten Kuhkopf aufzutischen, der unter allen Anwesenden aufgeteilt wird.
Wenn man Pech hat, muss man schon mal auf einem Stueck Lippe oder aehnlichem herumkauen.
An diesem Tag gab es allerdings nur gegrilltes Fleisch, den Grund weiss ich jetzt nicht.
Aber es war gar nicht so schlimm, dass es nur normales Fleisch gab
Am Abend machten wir uns daran, Felix gebuehrend zu verabschieden. Sunnyboy schlachtete ein Huhn, beim Ausnehmen half ich ihm dann. Wir bereiteten auch Spinat vor,
zu dem es spaeter dann Pap geben sollte, eine einfache Paste aus Maismehl und Wasser.
A South African stable, wie man hier wohl sagen wuerde. Daheim esse ich eigentlich gar keinen Spinat, aber wenn Sunnyboy ihn zubereitet, schmeckt er so dermassen gut, dass man ihn einfach essen muss (das war jetzt kein Seitenhieb gegen meine Eltern
). Wir machten Feuer in einem Halbierten Oelfass hinter seiner kleinen Huette und brieten die Huehnerteile. Da das Huhn frisch geschlachtet wurde, war es so saftig und schmeckte so gut, dass es eine Freude war. Ausserdem hatte Sunnyboy es verdammt gut gewuerzt. An dieser Stelle kann ich Sunnyboys Geschichte einmal kurz zusammenfassen. Er ist jetzt 19 Jahre alt, mit 17 kam er auf die Farm auf dem Gelaende des Training Centers, da er seiner damaligen Schulrektorin gesagt hatte, er wolle Landwirt werden. Inzwischen tendiert er eher zu Taxifahrer in seiner Heimatstadt, da er hier auf der Farm fast kein Geld verdient. Jetzt spart er auf seinen Fuehrerschein, der kostet hier ca. 1800 Rand, also so um die 225 Euro. Er ist ein harter Arbeiter, sehr guter Koch, lebt in einer kleinen Einzimmer-Huette von ca. 2,5 Quadratmetern und ist ein begnadeter Fussballspieler.
Wir sind immer willkommen in seiner Huette und auch haufig Gast dort, um ihm nach einem harten Arbeitstag ein wenig Gesellschaft zu leisten.
Felix fiel der Abschied ziemlich schwer, er hatte eine schoene Zeit hier verlebt.
Aber alles geht einmal zu Ende und ich sehe mich auch schon in einem Jahr mit traurigem Gesicht hinter Sunnyboys Huette sitzend.
Das Esse war lecker und wir sassen noch ein bisschen zusammen,
Masha war auch vorbeigekommen, bis wir uns dann alle zurueckzogen und die Aeuglein schlossen.
Der sechste Tagesbericht
Di, 22. 8. 2006
Nachdem wir aufgewacht waren und ein wenig gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg und ueberquerten die grosse Strasse, welche die Ethembeni School und das Training Center der Learners voneinander trennt. Den Morgen widmeten wir den AAC-Kindern, denen es fast ueberhaupt nicht moeglich ist, auf irgend eine Weise mit anderen zu kommunizieren. Die Arbeit mit den momentan 4 Kindern ist alles andere als leicht, aber ich habe das Gefuehl, dass sie uns gut aufgenommen haben. Ihre Aufgabe besteht darin, am Computer Sprachtherapie-Programme durchzufuehren. Da die Kinder recht langsam oder einfach unkoordiniert in ihren Bewegungen sind, benutzen sie fuer diese Programme eine Art Buzzer, eine grosse runde Scheibe, auf die sie haemmern, wenn ihrer Meinung nach gerade das vom Programm verlangte Wort gelb eingerahmt auf dem Monitor erscheint. Skhumbuzo zum Beispiel hat keine richtige Kontrolle ueber seine Haende, weswegen er einfach seinen Fuss zum Klicken benutzt. Diese Beschaeftigung ist sehr gut fuer die Kinder, da sie einerseits einiges lernen, andererseits aber auch merken, dass es jemanden gibt, der sich um sie kuemmert, obwohl sie sehr schwere Behinderungen aufweisen. Ich habe vor, mich mehrmals in der Woche mit der AAC-Class zu beschaeftigen. Ansonsten wurde der Tag fast voellig durch den Abschied der beiden Felixe bestimmt. Waehrend Felix Kloss unmittelbar abfliegt, bleibt der andere noch ungefaehr zwei Wochen, allerdings wird er nicht immer in unserer Naehe sein. Da die beiden ihre Arbeit sehr gut machten und viel Liebe hineingesteckt haben, war es nicht verwunderlich, dass der Abschied allen ziemlich schwer fiel. Nachdem wir uns mit Vanessa ueber die Gefahren von zu grosser emotionaler Bindung an die Kinder unterhalten hatten, organisierte die OT-Abteilung der Schule, zustaendig fuer Bewegungstherapie und Physiotherapie, eine kleine Party bei der allerhand Leckereien aufgetischt wurden. Als wir uns so richtig schoen satt gegessen hatten, wurden wir kurzerhand auf die naechste Feier eingeladen, diesmal initiiert vom Lehrpersonal. Nachdem die Schulzeit vorbei war, nahm uns Mathelehrer Sean Freeman mit nach Hillcrest, wo wir wieder beim Internetcafe abgesetzt wurden. Dort wurden wir dann von Octo abgeholt, einem Sohn der Duff-Familie. Diese Familie ist wirklich eine der verruecktesten, die ich jemals gesehen habe. Der Kontakt zwischen den Felixen und den Duffs entstand dadurch, das die beiden in einem Supermarkt eine Anzeige ausgehaengt hatten, auf der zu lesen war, das sie eine Unterkunft benoetigten. Die Duffs liessen sie dann zur Untermiete ca. 3 Monate bei sich wohnen. Wir hatten einen sehr schoenen und unkonventionellen Abend. Man muss wissen, dass niemand so viele Schimpfworte verwendet wie die Duffs. Nach einer gewissen Zeit muss man sich echt beherrschen, nicht auch so zu sprechen
Später kamen wir dann auch in den Genuss unseres vierten Braais, bei dem ich das beste Steak menes Lebens gegessen habe. Wir hatten noch einige Begegnungen mit Riesenspinnen, Schlangen und Maeusen, danach legten wir uns irgendwo in dem großen Haus schlafen.
Der fuenfte Tagesbericht
Mo, 21. 8. 06 Frueh am Morgen mussten wir schon in der Hall sein, da jeder Montag mit einem Assembly, einer Gesamtversammlung beginnt, bei der Wochenplaene vorgestellt werden und besondere Ereignisse zur Sprache kommen. Heute war die offizielle Verabschiedung von Felix und Felix sowie die offizielle Begruessung der Neuen. Nachdem wir uns ein bisschen mit den Kindern unterhalten haben, hatten wir ein Meeting mit Caron, einer Lehrerin, mit der wir ueber die AAC-Class redeten, auf die ich morgen genauer eingehen werde.Nach einer guten halben Stunde suchten wir, einem taeglichen Ritual folgend, den Tuck Shop auf, um unseren Hunger zu stillen. Als wir wieder in die Schule zurueckkamen, wurden die Felixe etwas privater vom Lehrpersonal verabschiedet. An diesem Tag hatten wir sehr viele Gespraeche mit den einzelnen Lehrern und so auch mit Melissa, die uns etwas ueber die Physiotherapie-Abteilung der Schule erzaehlte. Danach ging es weiter zu Mr. A. A. Mouton, dem Schulleiter. Dort wurden wir offiziell empfangen und bekamen gleich mal einen Plan praesentiert, wie wir uns zu verhalten haben und was wir zu tun und zu lassen haben. Ueber diesen Plan werden wir uns aber noch einmal unterhalten. Nach einem kurzen Essen wurden wir von Prem erwartet, die Vize-Rektorin der Schule. Sie ist eine sehr sympathische Inderin und liess uns sehr viele hilfreiche und interessante Dinge wissen. Nach dem trockenen Diskussions-Tag waren wir recht erschoepft und zogen uns am Abend zurueck, waehrend die Felixe erneut Fussball mit den Kids spielten. Die Berichte werden irgendwie immer kuerzer.
Der vierte Tagesbericht
Am nächsten Tag konnten wir in aller Ruhe ausschlafen und danach ein richtig gutes Frühstück zelebrieren.Eier, Fish Fingers und heiße Schokolade, es war wirklich sehr gut. Lindani, ein Freund Nomathembas, nahm uns dann wieder mit und setzte uns am Taxi Rank ab, von wo aus wir dann wieder per Taxi nach Inchanga fuhren.Allerdings hat der fahrbare Untersatz Lindanis eher die Bezeichnung Disko verdient, ausgestattet mit einer riesigen Musikanlage, von der er auch ausgiebig Gebrauch machte. Nicht nur die Kinder stehen hier auf House.In unserem Raum angekommen, hatten wir eine Besprechung, während der wir unsere bisherigen Erlebnisse zusammenfassten und darüber diskutierten. Diese Evaluation zog sich bis zum
Essen hin, was wohl das beste Schulesen war, das wir bisher genießen durften:Fried Chicken mit Reis und zum Nachtisch Kirschjoghurt. Ein echtes Sonntagsessen eben. Mit dem Essen haben wir es so geregelt, dass wir monatlich einen Betrag von 42 Rand zu entrichten haben und dafür jedes mal essen können, wenn die Kinder auch
essen.Zum Verständnis: 1 Euro entspricht ungefähr 8 Rand. Die Preisverhältnisse sind hier sehr anders als in Europa. Im Anschluss an das
Essen beschäftigten wir uns wieder mit den Kindern, der Höhepunkt war dann ein Fußballspiel, bei dem auch sehbeeinträchtigte Kinder mitgespielt haben. Das Match zog sich so lange hin, bis es dunkel war, und auch alle diejenigen nichts mehr sehen konnten, die keine Sehbehinderung aufwiesen. Der Abend wurde dann dazu genutzt, um abzuschalten, Notizen zu machen und das Verhältnis zu den Learners zu vertiefen, die allesamt echt gute Leute sind, allerdings ein bisschen sehr viel Cannabis rauchen (hier Dacha genannt). Die Nacht war wieder sehr geruhsam.
Der dritte Tagesbericht
Der nächste Tag war ein Samstag, was uns aber nicht davon abhielt, wieder äußerst früh aufzustehen. Jonas führte eine Übungsfahrt mit dem Chevy durch (bei Linksverkehr), ich passte leider nicht auf die Fahrerseite. Unser Chevrolet ist aber ohne Zweifel ein echtes Unikat. Wenn hinter dem Fahrer niemand sitzt, der den Fahrersitz stützt, klappt er nach hinten um. Hinter dem Beifahrersitz ist ein Loch im Boden und als ich die Tür zugemacht habe, ist gleich mal die Verkleidung rausgefallen. Wie man sieht, ein echt cooles Auto. Da ich also bei der Spritztour nicht teilnahm, spielte ich ein bisschen Fußball mit einigen Kindern, die nicht auf der Schule waren, ein paar Learner-Frauen und Sunnyboy. Wir sind noch nicht voll in Ethembeni eingestiegen, im Moment befinden wir uns noch in einer Art Gewoehnungsphase. Später fuhren wir wieder mit dem Taxi, diesmal nach Pinetown, um Einkäufe für den, wer hätte es gedacht, dritten Braai zu tätigen. Nomathemba, Lehrerin an Ethembeni, hatte uns für den Abend zu sich nach Hause eingeladen. Abgeholt wurden wir von Vanessa, ebenfalls Lehrerin an der Schule und Thabsile, der ehemaligen Sprachtherapeutin der Schule. Nach der Enge im Flugzeug und dem Gequetsche in den Taxen ging es hier fröhlich weiter, und zwar zu viert auf der Rückbank. Auf der Fahrt zu Nomathembas Haus kamen wir auch durch Townships, Ghettos, in denen ausschließlich Schwarze wohnen, zum Teil nur in improvisierten Verschlägen aus Wellblech oder Spanplatten. Wer das einmal gesehen hat, vergisst das nicht mehr. Die Lebensumstände dieser Leute sind wirklich sehr, sehr schlecht. Nomathemba dagegen bewohnt zusammen mit ihrer Mutter ein komfortables Haus in einer besseren Gegend. An diesem Abend hatten wir viel Spaß und konnten von all den Cousins, Tanten und Großmüttern, die da waren, einiges lernen. Das war auch das erste mal, dass ich um halb zwölf nachts mit Neunjährigen Federball mit Tennisschlägern gespielt habe, aber es war sehr schön. Es wurde so spät, dass wir kurzerhand dort übernachteten und wie echte Männer auf dem Boden schliefen. Dieser Tag war wieder reich an neuen Eindrücken gewesen. Es ist unfassbar, wie krass kleine Kinder auf südafrikanischen House abgehen können.
Der zweite Tagesbericht
Am nächsten Tag standen wir ziemlich früh auf, was aber gar nicht so schlimm war, da man hier aufgrund der frühen Dämmerung auch eher früher zu Bett geht. Zum Frühstück gab es Bran Flakes, dunkle Corn Flakes und nach einer kurzen Dusche fuhr uns der Hausherr, Echmund oder so, in die Nähe der Ethembeni School. Die restliche Strecke wurden wir von Stella mitgenommen, Sekretärin des Direktors und Mädchen für alles. Die Felixe führten einen Einführungsrundgang mit uns durch (also mit Jonas und mir), bei dem wir gleich Kontakt zu einigen Kindern hatten. Es ging gar nicht anders, als sie sofort ins Herz zu schließen. Anschließend trafen wir uns mit dem Schulpsychologen Theo, der einen sehr informativen Vortrag über die vielen verschiedenen Krankheiten der Kinder hielt. Danach kauften wir uns bei einem Tuck Shop, eine Art Kiosk, eine schöne Mahlzeit, bestehend aus Weißbrot, Polony (eine Art Lyoner, aber komisch pink), Maguinias (ähnlich wie Donuts, nur ohne Loch und nicht süß) und Marmelade. Als wir fertig gegessen hatten, war es auch schon Zeit für das richtige Mittagessen
Dieses nahmen wir in der Küche ein, wobei wir auch gleich den Küchen-Mamas vorgestellt wurden. Nach Ende der Schulzeit nahm uns Stella wieder mit, diesmal nach Hillcrest, wo wir ein Internetcafe aufsuchen konnten. Mit dem Taxi ging es dann zurück nach Inchanga, dem Bezirk, in dem Ethembeni liegt. Allerdings kann man ein südafrikanisches Taxi in keinster Weise mit einem deutschen vergleichen. Alle Taxen sind Kleinbusse, die erst losfahren, wenn 15 Leute darin Platz genommen haben. Und ich dachte, das Flugzeug war schon schlimm… Anyway, ein Weißer in einem Taxi ist hier eine Seltenheit. Das Zahlungssystem ist auch etwas gewöhnungsbedürftig. Während der Fahrt gibt jeder Passagier einfach Geld vor und derjenige, der das Glück hatte, auf dem Beifahrersitz befördert zu werden, hat auch die Ehre, das ganze Geld zu managen und Wechselgeld herauszugeben. Nach der Ankunft aßen wir zu Abend und hatten danach mal wieder einen Braai, diesmal in Sunnyboys kleiner Hütte, beziehungsweise dahinter. Sunnyboy ist ein Farmarbeiter, der den Vorgängern immer ein guter Freund war und uns auch schon ziemlich ans Herz gewachsen ist. An diesem Abend lernten wir auch einige Learners besser kennen. Im Moment sind wir in einem Zimmer auf der anderen Straßenseite der Schule untergebracht. Dieser Raum gehört zu dem Training Center, an dem junge Arbeitslose als Elektriker oder Ähnliches ausgebildet werden, die als Learners bezeichnet werden. Außederm bekamen wir Kontakt zu Cedrick, ein weiterer Farmarbeiter, der im Grunde nichts verdient und nur für Essen arbeitet sowie zu Masha, dem dicken Ex-Bäcker, der auf einem Ohr taub ist und jetzt in der Schulküche und der Schulwäscherei aushilft. Wir begannen, uns an den arfican way of life zu gewöhnen und merkten, wie wichtig es ist, einigermaßen anständig Zulu zu sprechen. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.