Week of Solitude

September 27, 2006 at 10:03 am (.:Gelaber halt:.)

Hallo, wie fast jeden Mittwoch sitze ich im Internetcafe in Botha’s Hill und wuerde nun auch gerne einen neuen Blogartikel veroeffentlichen. Leider geht das aber nicht, da ich keinen geschrieben habe. Es ist wirklich nicht viel passiert.

Jonas ist momentan mal wieder bei den Rohwers, um seinen Pflichten als Laendersprecher und Computer-Mann nachzukommen. Seit letztem Montag bin ich also alleine, muss aber sagen, dass es mir richtig gut tut. Ich kann in aller Ruhe ueber alles Moegliche nachdenken und einfach mal chillen.

Noch etwas: Es waere lieb, wenn mir irgend jemand Kochrezepte zusendet, sei es als Mail (david.bruchmann@wi-ev.de) oder als Kommentar auf dieser Seite. Vielleicht nicht die kompliziertesten Gerichte, es waere auch gut, wenn sie nicht sonderlich schwer und mit wenigen Zutaten zubereitbar waeren.

Bis dann, gestern hats hier gehagelt!

David

Spinat, noch verwurzelt  Meine Waesche  Das erste Foto, dass Cedrick in seinem Leben gemacht hat.

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Hier sind die Bilder

September 25, 2006 at 6:22 am (.:Bilder:.)

Bananen auf der Farm  Das ist Cedrick, er arbeitet auf der Farm  So sieht es auf der Farm aus  Die Huehnchen sind noch nicht ganz reif  Diese Spezies laeuft hier nicht frei herum

So etwas findet man manchmal in der Dusche vor  So sieht die Waehrung hier aus  Manchmal regnet es auch hier  Spinat mit Pap  Sebastian der Pokerfuchs

Cizek und Michi  Niko + Torben

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Bericht + Bildergalerie

September 24, 2006 at 2:02 pm (.:Berichte:., .:Bilder:.)

Diesmal habe ich viele, schoene Bilder mit im Gepaeck. Aber zuerst einmal etwas zur momentanen Situation:  Unser Raum sieht wieder richtig gut aus, nachdem das Chaos zwischenzeitlich die Überhand zu gewinnen gedroht hatte. Wir haben endlich mal wieder schoen aufgeraeumt und auch geputzt, gefegt und den Muell entsorgt.Ich habe dann gestern noch einen Waschtag eingelegt, da das gute Wetter einfach dazu einlud. Ein nicht zu vernachlaessigender Grund ist auch, dass der Grossteil meiner Kleider schon wieder dreckig war. Das geht schnell hier. Nachdem es in der letzten Zeit eher kalt und regnerisch war, scheint nun der Sommer langsam aus dem Urlaub zurueckzukommen. Hoffentlich bleibt es auch so. 

 Mit Toepfen, Pfannen und Herdplatten werden wir immer virtuoser, Uebung macht den Meister. Mittlerweise haben wir auch schon Pap gemacht, ein einfacher Brei aus Maismehl, Wasser und Salz, der aber mit dem gekochten Spinat wirklich hervorragend schmeckt. Wenn von dem Pap etwas uebrig bleibt, kann man die Masse hinterher zu kleinen Scheiben formen und in Oel anbraten, das ergibt einen guten Snack fuer zwischendurch. Uebrigens haben wir endlich auch herausgefunden, warum der eine Topf nichts taugt und man ewig braucht, um Sachen darin zuzubereiten: Es ist ueberhaupt kein Topf, sondern irgendeine Camping-Schuessel. Die Tatsache, dass keine Henkel vorhanden sind, haette uns eigentlich schon frueher stutzig machen muessen, aber egal :)   Unsere ersten Schulferien haben gerade begonnen und ich habe mich dazu entschieden, in Inchanga die Stellung zu halten, waehrend Jonas bei den Rohwers bleibt. Heute nachmittag werde ich aber trotzdem auch in Waterfall sein, Malte, Till und Felix, der aus Durban zurueckgekommen ist, begleiten uns. Wir haben vor, mal wieder einen richtig schoenen Grillabend zu machen. Auf dem Grundstueck der Rohwers befindet sich eine riesengrosse Grillecke, die auch einen ueberdimensionalen Wok beinhaltet. Wir hatten bereits das Vergnuegen, dort unser Essen zuzubereiten und ich muss sagen, dass ich mich richtig auf den Abend freue. 

 Die zwei Wochen der Rotation innerhalb der Schule sind jetzt um, nun ist geplant, dass wir im Zeitraum von jeweils einer Woche pro Abteilung rotieren. Allerdings finde ich die Idee im Nachhinein nicht mehr so gut, irgendwie fehlt dann die Regelmaessigkeit. Ich wuerde beispielsweise lieber jeden Mittwoch in der OT sein, einfach einen gesetzten Plan fuer jeden Tag der Woche haben. So kann man sich auch besser und bestaendiger in die jeweilige Sektion einarbeiten, nach dem geplanten Schema waere ich dann zwar eine Woche am Stueck in einer Abteilung, wuerde dann aber erst wieder nach fuenf Wochen in diese kommen. Ich stimme mit meiner Meinung mit den HoDs (Heads of Department/Abteilungsleiter) ueberein, weshalb es bestimmt nicht schwer ist, Prem (die Vize-Rektorin der Schule) davon zu ueberzeugen, die Wochen-Rotation doch nicht durchzufuehren. Mal sehen, nach den Ferien werde ich mit ihr sprechen. 

Des weiteren werde ich mich direkt nach den Ferien mit Melisha (HoD Physiotherapie) und Ms Moorosi zusammensetzen, der Klassenlehrerin von Zakhele. Bei ihm handelt es sich um einen schwer uebergewichtigen Schueler, der dringend abnehmen sollte. Sebastian und Felix (Zivi-Generation 1) haben in dieser Hinsicht bereits etwas unternommen, in letzter Zeit ist das Ganze aber eher im Sand verlaufen. Mein Plan ist, 2-3x pro Woche ein Programm mit ihm zu absolvieren, in dessen Verlauf er sich koerperlich betaetigt, aber auch anderweitig beschaeftigt wird, da er sehr aufgeweckt und sprachinteressiert ist. Erschwerend ist allerdings, dass Zakhele im Rollstuhl sitzt, weswegen Laufen oder Fahradfahren schon einmal unter den Tisch faellt. Im Laufe der Konferenz werden wir also einen Plan ausarbeiten, der ihm langfristig helfen kann.

So, wir sind grad im Internetcafe, die Bilder folgen, wenn wir bei den Rohwers sind.

Bis dann

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Neue Bilder und so

September 20, 2006 at 10:55 am (.:Bilder:.)

So, heute kein langer Text, sondern ein paar Bilder und kurze Infos.

Gestern war Culture Day, viele Schueler (auch welche von anderen Schulen) und auch Lehrer hielten Vortraege und boten Taenze, Lieder und andere Auftritte dar. Es war ganz schoen, aber irgendwie sind mehrere Programmpunkte ins Wasser gefallen. Ich wurde dann recht spontan auf die Buehne geholt und musste etwas ueber Deutschland erzaehlen :)

Die Rotationsphase neigt sich langsam ihrem Ende zu und wir haben einen guten Ueberblick ueber die einzelnen Schul-Abteilungen erhalten.

Ok. Bilder.

Culture Day in Ethembeni - Die Buehne  So sehe ich also momentan aus  Kaesefondue  Eine suedafrikanische QEine Vogelspinne   

So, ich bin dann wieder weg.

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Von Kuehen und vom Regen

September 18, 2006 at 11:32 am (.:Berichte:.)

Montag, 18. September 2006

Der Sonntag neigt sich seinem Ende zu und ich sitze in unserer Bude, um mal wieder etwas zu Papier zu bringen.
Draussen singt der Wind sein einsames Lied, unterstuetzt durch das Trommeln von Regentropfen an die Fensterscheiben.
Das Wetter war waehrend den letzten Tagen nicht wirklich so, wie man sich typisch suedafrikanisches Wetter eben vorstellt.
Tagsueber ist es zwar nicht wirklich kalt, aber regnerisch. Abends gesellt sich dann noch Wind zum Regen und es wird doch kalt.
Alles in allem also das perfekte Wetter, um nach Durban zu fahren und an den Strand zu gehen.
Ich war vorher noch nie an der “Beachfront” gewesen, hatte aber gehoert, dass sich da einige Basketballspieler herumtreiben sollen.
Und da ich mir momentan in den Kopf gesetzt habe, einer lokalen Mannschaft beizutreten (so, wie es die Zeit halt zulaesst) um fit zu bleiben
und einen gewissen Ausgleich zu haben, begleitete ich Malte, Till (die beiden vom Strassenkinder-Projekt Street-Wise) und Jonas (der von mir) nach eThekwini, wie Durban seit 2005 offiziell heisst.
Um das mal gleich vorweg zu nehmen: Basketballer habe ich keine getroffen, wahrscheinlich hatte keiner von denen Lust, sich bei jedem Dribbling den Matsch aus den Augen zu wischen, den der Aufprall des Balles in eine Pfuetze dorthin befoerdert hat.
Initiator des Trips war Till gewesen, der sich hier am Strand ein gutes Surfbrett besorgen wollte. Um das ebenfalls mal vorweg zu nehmen: So wie ich am Ende des Ausflugs kein Team hatte, besass Till auch kein Board. Im nachhinein betrachtet war unser
Sonntagsausflug ein Schlag ins Wasser (HAHAHAHAHA), aber Spass gemacht hat Durban doch irgendwie. Auf dem Rueckweg haben wir dann noch im Pavillion vorbeigeschaut, einem Konsumtempel, der sich aus dutzenden Supermaerkten zusammensetzt.
Der Anblick ist ziemlich ueberwaeltigend, leider hatte ich meine Kamera nicht dabei. Bei dem Besuch des Pavillions ist mir wieder aufgefallen, wie viele Inder es doch hier in Durban und Umgebung gibt. Ich habe mal irgendwo gelesen (weiss aber nicht, ob es auch stimmt), dass in Durban die groesste Ansammlung von Indern ausserhalb Indiens zu finden ist. Dementsprechend haben wir auch schon mehr als einmal Curry gegessen. Leider war es atommaessig scharf und ich will nie wieder boeses, boeses, indisches Essen zu mir nehmen :)

An den vorigen Tagen lief alles glatt und ohne besondere Ereignisse. Wir haben unser Rotationsprogramm durchgezogen, welches diese Woche noch bis zu den Ferien fortgefuehrt wird. Danach entscheiden wir uns dann, in welchen Sektionen der Schule wir die groesste Hilfe sind und konzentrieren uns dann speziell auf diese Abteilungen. Waehrend der Schulferien wird Jonas noch einmal die Rohwers mit seiner Anwesenheit begluecken, die uns schon beim OAT Obdach gewaehrt hatten. Ob ich bei ihm bleibe, weiss ich noch nicht, da ich nicht so der Computer-Typ bin und Waterfall auch nicht ganz meinen Wohngeschmack trifft. Hier findet man nur Anwesen von weissen, aelteren Herrschaften, die sich und ihren Besitz einzaeunen. Die einzigen Schwarzen, die man hier sieht, sind die Hausangestellten dieser Familien. Irgendwie habe ich das Gefuehl, als ob die Ortsansaessigen hier ein wenig “perfekte Welt” spielen und zu ignorieren versuchen, dass es auch Menschen gibt, die weitaus schlechter wohnen als sie selber. Wie gesagt, ich muss mir noch ueberlegen, wie ich die Ferien verbringe. Vielleicht beschaeftige ich mich mit Prems Idee einer Braille-Bibliothek, mal sehen. Eine Woche ist ja noch Zeit.

Kulinarisch gesehen entwickeln wir uns langsam aber sicher. Die alte Herdplatte von den beiden Felixen wurde ausgegraben und leistete uns bereits gute Dienste. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Spinat gekocht. Das hoert sich jetzt nicht so grossartig an. Wenn man es bedenkt, dann ist es eigentlich auch nichts Besonderes. Na ja, wenigstens hat er gut geschmeckt. Die Herdplatte verdraengt schleichend den Toaster. Gleichzeitig kann man beides nicht benutzen, da dabei dann die Sicherung rausfliegt, wie wir leidvoll feststellen mussten. Ich spiele auch immer mehr mit dem Gedanken, mal eine der saftigen Kuehe zu schlachten, die regelmaessig vor unserer Tuer stehen und grasen. Auf eine bin ich sowieso schon sauer, sie hat doch tatsaechlich die Unverschaemtheit an den Tag gelegt, mich anzugreifen. Passiert ist nichts, aber irgendwann, wenn sie mal nicht schaut… Ich bin bereit. Ich habe auch schon Kaesefondue á la Loeffel und Kerze gegessen und muss sagen, dass es ganz gut geschmect hat. Den Witz mit dem Heroin kenn ich uebrigens schon.

Auch mussten wir neulich auf dem Rueckweg von Hillcrest einmal mehr am eigenen Leib erfahren, dass Taxen nicht dann fahren, wenn man will, sondern erst, wenn sie voll sind. So sassen wir geschlagene anderthalb Stunden in dem Kleinbus, bis er sich in Richtung Inchanga bewegt hat. Aber wenn die richtigen Leute mit einem warten, dann geht das eigentlich. Genau wie Hochzeiten oder andere gesellschaftliche Ereignisse sind Taxifahrten ein geeigneter Naehrboden fuer neue Bekanntschaften.

Da der Jonas das Schul-Internet repariert hat, kann ich diesen Text sogar heute schon hochladen. Jeden Mittwoch werde ich voraussichtlich aber immer noch im Internet-Cafe anzutreffen sein, da die Schul-PCs schon sehr langsam sind, gerade das Hochladen von Blogeintraegen nimmt viel Zeit in Anspruch.

Bis uebermorgen dann.

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Bilder, immer wieder Bilder

September 13, 2006 at 9:08 am (.:Bilder:.)

Sunnyboy beim Umziehen  Jonas auf der Fahrt nach KwaMashu  Ntuzuma

Sunnyboys kleine Schwestern       Amanda        Ich bin der Vogelfaenger

Bis zum naechsten Mal.

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Ein schoenes Wochenende

September 13, 2006 at 7:25 am (.:Berichte:.)

Oh Mann! Was fuer ein Wochenende…

Wenn ihr wollt, nehme ich euch mit auf eine kleine Reise. Besorgt euch eine heisse Schokolade, ein paar Kekse und lehnt euch zurueck, waehrend ich schildere, was das letzte Wochenende fuer mich bereithielt. :)

Am Freitag verliessen Jonas und ich das Schulgelaende um exakt dreizehn Uhr dreissig.

Es war ein guter Vormittag gewesen.

Wir hatten uns unter Anderem um das alte Klavier gekuemmert, das im Store Room der Schule zu verrotten gedroht hatte. Da der Jonas ja bekanntlich ein alter Reparier-Fuchs ist, waren die kaputten Stellen schnell wieder gefixt.

Das einzige, das dem Instrument jetzt noch zu seinem Glueck fehlte, war ein Klavierstimmer.

Oder eine Klavierstimmerin.

Sue-Ann, Mitarbeiterin in der OT-Abteilung (Occupational Therapy//Beschaaeftigungstherapie) hatte angedeutet, wohl einen Klavierstimmer zu kennen.

Wir besorgten uns also die Nummer von “Jimmy” und konnten ihn in anschliessendem Telefonat dazu ermuntern, dem alten Klavier einen Besuch abzustatten.

Am Montag wollte er kommen, hat diese Ansage mittlerweile allerdings auf Donnerstag revidiert.

Na ja, Hauptsache, er kommt ueberhaupt.

Nachdem wir die Schule hinter uns gelassen hatten, machten wir uns daran, unserer Behausung einige neue Features hinzuzufuegen. Wir suchten in Pinetown das “Cash Converters” auf, eine Einrichtung, bei der man Haushaltsgegenstaende, fuer die man keine Verwendung hat, verkaufen kann.

Andererseits kann man aber auch die Sachen erwerben, die ein Anderer dagelassen hat.

Sozusagen eine Art Flohmarkt mit gesamtkoordinierender Leitung. Wir sahen uns also dort um und fanden auch bald einen alten Toaster, der uns anlachte. Wir konnten gar nicht anders, als ihn mitzunehmen.

Nicht schlecht staunten wir allerdings, als an der Kasse Vorname, Nachname und ID-Nummer verlangt wurden.

Ich setzte einen eiskalten Blick auf und schaute der Verkaeuferin mit weit aufgerissenen Augen tief in die ihren, waehrend ich meinen Kopf langsam in Schraeglage befoerderte. Nach etwa 10 Minuten totenstillem Blickduell sagte ich: “No!” und sie “Ok”. Oder so ungefaehr. Auf jeden Fall konnten wir dann mitsamt Toaster gehen, ohne dass jemand unsere persoenlichen Details wusste. Ha, der hatte ich es gezeigt!

Den restlichen Freitag verlebten wir dann in Ruhe und Gelassenheit vor dem Toaster und fuetterten ihn mit wabbeligen, weissen Teigscheiben. Im Gegenzug belohnte er uns artig mit goldbraunen, knusprigen Toasts. Eine ganze Packung Toastbrot spaeter stand fest, dass wir auf ewig Freunde bleiben wuerden. Zufrieden atmete ich brotduftgeschwaengerte Luft, bis ich dann schliesslich satt und mit einem Laecheln auf dem Gesicht sanft einschlummerte.

Samstag, 9. September 2006. “RING RING” macht dem Jonas sein Handy, denn es ist 9:00 Uhr.

Hurra! Felix, der wieder zurueck aus Durban ist und bis zum Ende der Woche an der Schule verweilt, hat Geburtstag! Endlich 21! Juhu!

Einundzwanzig Mal hatte er jetzt Geburtstag. Allerdings gibt es Ereignisse im Leben, die NUR EINMAL / ganz selten / nicht sehr oft / gut, bei manchen schon oefter / ab und zu auch mehrmals im Leben (Uuuh, wie gesellschaftskritisch, David) stattfinden.

Naemlich Hochzeiten. Und zu solch einer waren wir drei hoechstpersoenlich eingeladen.

Eine Lehrerin der Schule hatte beschlossen, an diesem Tag den heiligen Bund der Ehe einzugehen.

Die erste Station des Tages war eine Kirche in Mphumalanga, einem Township in ca. 15 Minuten Entfernung. Das war auch das erste Mal, dass wir richtig drin waren in einem Township. Und es war genau so, wie man sich ein typisches Ghetto vorstellt. Ueberall lag Muell, die kleinen Behausungen waren von Stacheldraht umzaeunt und Huehner rannten auf den matschigen Wegen umher, um im Muell nach Nahrung zu scharren.

Es ist schon ein wenig komisch wenn man langsam durch eine Siedlung faehrt, und oberkoerperfreie, taetowierte Schwarze, die mit verschraenkten Armen an Maschendrahtzaeunen lehnen, das Auto mit den einzigen Weissen weit und breit langsam mit den Augen verfolgen.

Wir werden hier in Suedafrika zwar in keinster Weise so behandelt, als ob wir stoerende Fremde waeren, aber ich glaube, ich kann trotzdem deutlich nachvollziehen, wie sich ein Schwarzer in “weissen” Gegenden fuehlt. Es ist eine seltsame Erfahrung, wenn einem einfach die ganze Zeit ueber bewusst ist, anders zu sein als die Anderen. Aber ich denke, dieses Gefuehl wird sich auch bald legen, wie gesagt werden wir wirklich ueberall wunderbar akzeptiert. Daran koennten sich viele Leute ein Beispiel nehmen.

Die kirchliche Trauung war wahrlich anders als alle Hochzeiten, die ich bisher erlebt habe. Die Froehlichkeit der Anwesenden lag einfach in der Luft, staendig tanzten alle und sangen dazu, es wurde einfach Stimmung fuer das Brautpaar gemacht. Nachdem noch Freunde der beiden vorgetreten waren, um Gutes ueber Mann und Frau zu erzaehlen, wurde die Trauung vollzugen, abgeschlossen vom obligatorischen Kuss.

Danach machten sich alle Gaeste auf nach Cliffdale, einer kleinen Stadt in der Naehe, um in einem Zelt von gigantischen Ausmassen den privateren Teil des Tages zu begehen.

Neben gutem Essen und Lobreden von Familienmitgliedern, Auftritten von Saengern, Zulu-Taenzern und alten Omas, die herumrannten, hatte man hier die Gelegenheit sehr viele interessante Menschen kennenzulernen und Kontakte zu knuepfen.

Es war einfach eine riesige Feier, die ihren Hoehepunkt dann abends in Hammarsdale erreichte, der dritten Station des Tages.

Hier befindet sich das Geburtshaus des Braeutigams, das an diesem Abend zum Austragungsort einer riesigen Feier wurde. Neben Familienmitgliedern und Freunden fanden sich auch Nachbarn ein, gleichermassen wurden viele Passanten von den Feierlichkeiten in den Bann gezogen und gesellten sich dazu. Wir bekamen viele Hochzeitszeremonien zu sehen, die sehr seltsam anmuten, wenn man nicht gerade zufaellig ein Zulu ist. Nachdem eine Gruppe Jugendlicher abermals eine Runde Zulu-Dance zum Besten gegeben hatte, stroemten alle mit knurrenden Maegen in ein Zelt, um dort in Gruppen zusammenzusitzen und zu essen. Und was fuer ein Essen. Es war zwar nur Kuh, Brot und Salz, aber wirklich sehr delikat. Uns wurde die grosse Ehre zuteil, zuerst vom Fleisch zu bekommen und dazu auch noch sehr gute Stuecke. Derart beehrt schmeckte es nochmal doppelt so gut und alle freuten sich zu hoeren (und zu sehen), dass ihr traditionelles Essen den Gaesten derart mundete. Am Ende wurden wir sogar noch irgendwie heimgefahren und konnten die Zeit zum morgigen Sonntag beliebig ueberbruecken. Ich waehlte hierzu den Schlaf.

Vor einigen Tagen war Sunnyboy mit der Bitte an uns herangetreten, ihm zu helfen, seine Habseligkeiten an einen anderen Ort zu verfrachten, hatte er dort doch einen besseren Arbeitsplatz gefunden.

Natuerlich sagten wir sofort zu, wohlwissend, dass wir hiermit einen guten Gefaehrten ziehen lassen mussten. Jedoch waren wir altruistisch genug um zu erkennen, dass das Glueck eines Freundes wichtiger ist, als jeden Abend gemuetlich Huehnchen zu grillen.

So verfrachteten wir am Sonntag all sein Hab und Gut mitsamt zwei Huehnern in den Chevy, den wir uns von Street-Wise ausgeliehen hatten und machten uns zu dritt auf den Weg nach KwaMashu, ein Ort, der ein Stueck hinter Durban liegt.

Dort angekommen fuhren wir hoch nach Ntuzuma, wo das Haus von Sunnyboys Schwester steht, in dem er von nun an seine Zeit verbringen will.

Bei Ntuzuma handelt es sich um eine wirklich aermliche Wohngegend, aber die Leute dort machen das Beste daraus, indem sie sich gegenseitig helfen, wo sie koennen. Da man sich hier einige Meter ueber KwaMashu befindet, hat man eine wunderbare Sicht auf die umliegende Gegend, bis hin zum Meer.

Wir wurden sofort herzlich empfangen und quasi in die Familie aufgenommen, besonders Amanda, Sunnnyboys kleine Schwester schloss uns gleich ins Herz. Ich habe wirklich selten ein so selbstbewusstes und einzigartiges kleines Maedchen gesehen, Amanda ist einfach wunderbar.

Wir bekamen dann noch eine Mahlzeit serviert, die trotz ihrer Schlichtheit einfach vorzueglich geschmeckt hat. Ich weiss nicht, wie die Leute das hier machen, mit nur zwei kleinen Herdplatten ein so gutes Essen zuzubereiten.

Dann war es Zeit zum Aufbruch, denn wir wollten es weitestgehend vermeiden, in der Dunkelheit umherzufahren. Schweren Herzens fuhren wir also ab, aber wir hatten wieder einmal gelernt, dass materieller Besitz nicht alles ist und eine Familie, auf die man sich verlassen kann, viel wertvoller als Geld ist. Ich will auf jeden Fall wieder einmal nach Ntuzuma, um Sunnyboy und seine Familie zu besuchen. Ausserdem will mich die eine Nachbarin irgendwie heiraten.

Erstaunlich, was man mit Wassertragen alles bewirken kann.

Nicht nur das Wochenende war ereignisreich. Inzwischen befinden wir uns mitten in der woechentlichen Rotation zwischen den sechs Sektionen der Schule. Gestern war ich beispielsweise den ganzen Tag in der V.I.-Abteilung der Ethembeni School.

V.I. bedeutet “Visually Impaired”, ein Begriff, der sich mit “sehbeeintraechtigt” angemessen uebersetzen laesst und Kinder mit Sehbehinderung bis hin zu voelliger Blindheit umfasst.

Es war sehr interessant, zumal ich waehrend des Tages auch mit zwei Lehrerinnen zusammenarbeitete, die selber komplett blind sind. Die Schule hat eine beachtliche, blindengerechte Ausstattung, die in naher Zukunft noch durch eine Braille-Bibliothek erweitert werden soll, ein Projekt, mit dem Jonas und ich uns naeher beschaeftigen wollen. Mehr dazu, wenn es so weit ist.

Puh, ein ganz schoener Brocken diesmal.

Bis naechste Woche!

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Kurze Bitte an die Computerfuechse

September 6, 2006 at 12:05 pm (.:Gelaber halt:.)

Hallo KMB (oder andere Bewanderte), wie funktioniert das mit den RSS-Feeds?

Was muss ich da beim Einrichten als URL angeben?

Danke, bis dann

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Neue Bildergalerie

September 6, 2006 at 11:16 am (.:Bilder:., .:Lustige Sachen:.)

Hier eine Reihe von Bildern. Geniesset.

Hier ein Taxi Rank in Durban.

Ein Taxi Rank in Durban

Der Music Room. So sah er waehrend des Aufrauemprozesses aus.

Der Music Room - Waehrend der Aufrauemaktion

Ein guter Freund von uns, der hier ueber meinen Arm laeuft.

Ein sehr grosser Kaefer. Durchaus.

Hier sieht man Sunnyboy, wie er gerade einen gekochten Huehnerdarm verspeist.

Sunnyboy, beim Essen eines Huehnerdarmes (gekocht)

Naechstes Mal wieder mehr Bilder, aber das ist echt nervenaufreibend, die Dinger von hier aus hochzuladen.

Bis naechste Woche!

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Lebenszeichen

September 6, 2006 at 10:50 am (.:Berichte:.)

Hier der aktuelle Stand der Dinge: Jonas und ich sind jetzt quasi “allein”, einer der beiden Felixe ist zwar noch in Suedafrika, aber nicht mehr an der Schule mit uns, er wohnt jetzt direkt in Durban.Um bestmoeglich arbeiten zu koennen, wollen wir die Bereiche finden, in die wir uns am besten einbringen koennen. Die Schule ist in verschiedene Sektionen unterteilt, beispielsweise Physiotherapie, Computer-Abteilung, Administration und so weiter. Damit die Schule auch etwas von unserer Arbeit hat, machen wir in den folgenden Wochen einen Rundgang durch alle Abteilungen, um die Plaetze zu finden, an denen die Hilfe benoetigt wird, die wir leisten koennen. Was selbstverstaendlich immer auf dem Programm steht, ist, dass wir fuer alle Kinder da sind, so gut es eben geht.Aber eine Aufgabe, die nicht direkt die Arbeit mit den Kindern betrifft, ist wahrscheinlich eine gute Ergaenzung. Waehrend dieser Eingewoehnungsphase werden wir tief in die Schule eintauchen und am Ende wirklich wissen, was hier wie ablaeuft.Neben diesem Rundgang finden jede Woche auch Aktivitaeten statt, denen wir regelmaessig beiwohnen wollen.

1) HorseridingAuch als therapeutisches Reiten bekannt, eine kleine Gruppe von Kindern, meist die der AAC-Class, werden per Auto auf eine Farm in der naeheren Umgebung der Schule gebracht. Das Sitzen auf den Ponyruecken entspannt die Kinder total, ausserdem macht es ihnen grossen Spass. Waehrend sie reiten, werden sie rechts und links von zwei von uns Begleitern pro Pony flankiert, einfach um Sicherheit zu gewaehrleisten. Wir waren bereits einmal dabei, auch wir fanden es grossartig. Das Horseriding findet 1x pro Woche statt.

2) FarmgoingWie bereits erwaehnt liegt gegenueber der Schule, parallel zu unserer Unterkunft, eine Farm. Hier gibt es Huehner, aber auch massenweise Gemuese. Montags und Donnerstags ueberqueren ein paar Kinder samt Lehrerin die grosse Strasse, um lebensnahen Naturkundeunterricht zu geniessen. Auch diese Aktivitaet macht den Kindern grossen Spass, hier lernen sie auch wichtige landwirtschaftliche Fakten, die ihnen im spaeteren Leben durchaus eine grosse Hilfe sein koennen. Eventuell wird es dazu kommen, dass das Farmgoing sogar noch einmal mehr pro Woche stattfindet. Mal sehen.

3) AAC-ClassDie Arbeit mit den schwerer behinderten Kindern hat mir grossen Spass gemacht, und so habe ich mich dazu entschlossen, das Werk der beiden Felixe fortzufuehren. Mehrmals pro Woche will ich mich mit ihnen beschaeftigen, von den speziellen Computern habe ich ja schon einmal erzaehlt. Da die Schule leider keine Sprachtherapeutin mehr hat, haben die beiden Felixe kurzerhand versucht, diese Luecke fuer die AAC-Kinder zu stopfen und waren dabei sogar sehr erfolgreich. Ich hoffe, dass mir das ebenso gelingen wird, bin aber zuversichtlich.

Ausserdem haben wir am gestrigen Vormittag den Music Room wieder einigermassen auf Vordermann gebracht. Dabei handelt es sich um ein kleines Haeuschen, das auf dem Schulgelaende steht.Sebastian und Felix (ja, noch einer), die erste Generation von Freiwilligen in Ethembeni, haben dieses Haus bunt gestaltet und in einen Raum verwandelt, in dem Musik gemacht wird und in dem Spielzeug zu finden ist. Waehrend der Zeit hat sich hier ein schoenes Repertoire an Instrumenten und Spielzeugen angesammelt, leider aber auch Staub und Vogelscheisse. In letzter Zeit wurde der Raum nicht mehr richtig genutzt, Jonas und ich wollen das gerne aendern. Man hat hier eine gute Moeglichkeit, Gruppen zu versammeln und Workshops abzuhalten. Nun muessen wir also noch ein bisschen schuften und den alten Glanz zurueck hineinbringen, aber es wird sich lohnen, dessen bin ich mir sicher. Jetzt noch eine kleine Anekdote.Als Gastgeschenke habe ich zehn Stangen Toblerone mitgenommen. Als wir bei den Duffs waren, habe ich ihnen am Abend feierlich eine Stange verehrt. Irgendwie war ihre Reaktion nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Hallo! Schokolade aus DEUTSCHLAND! Etwas Besonderes! “Na ja…”, dachte ich mir dann, “Egal”. Als ich dann nach einer Woche in einem Laden zufaellig Toblerone entdeckt habe, und festgestellt habe, dass sie nur ungefaehr 1,20 Euro kostet, musste ich peinlich beruehrt daran denken, wie ich ueberall bei Gastgebern grossspurig die Dreiecke verteilt habe. Jetzt esse ich sie selber, auch nicht schlecht.So, das wars fuer diese Woche, wahrscheinlich werde ich erst wieder naechsten Mittwoch am Netz sein.

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