Mal wieder
Hiermit melde ich mich wieder einmal, um euch ueber den momentanen Stand zu informieren. Wir sind wie bereits erwaehnt bei den Rohwers in Waterfall um unser OAT abzuhalten. Mir geht es wieder gut und der Rest der Truppe ist auch fit. Mittlerweile sind wir schon ein bisschen tiefer in unser Gastland eingetaucht, heute waren wir beispielsweise in Durbans Innenstadt, die komplett anders ist als alle Staedte, die ich bis jetzt erlebt habe. Unglaubliche Hektik und riesige Menschenmassen bestimmen das Stadtbild, alle zwei Meter befindet sich ein improvisierter Stand, an welchem Orangen, Tierschaedel oder einfach alle moeglichen Dinge feilgeboten werden. Oft sieht man auch einfach einen Tisch am Strassenrand, auf dem ein paar Telefone stehen, sozusagen oeffentliche “Telefonzellen”. Ausserdem muss man hier extrem auf seine Sicherheit achten, besonders, wenn man anders ist als alle Anderen. 80% der Bevoelkerung Suedafrikas ist schwarz, dazu kommen noch ca. 10% Coloureds, also hellhaeutigere Schwarze. Den Begriff “Farbiger”, den Deutsche gerne fuer Schwarze gebrauchen, koennte man hier also nicht wirklich verwenden, da es ausser Farbigen eben noch die “richtigen” Schwarzen gibt. Die meisten Coloureds haben es ziemlich schwer und oft auch Identifikationsprobleme, da sie fuer viele Weisse zu schwarz, dagegen aber fuer viele Schwarze zu weiss sind. Zurueck zum Thema Sicherheit in suedafrikanischen Grossstaedten. Man sollte sich eben bewusst sein, dass man weiss ist. Falls man weiss ist. Nahezu alle Einheimischen implizieren eine weisse Haut und eine einigermassen gepflegte Erscheinung mit Reichtum oder zumindest ueberdurchschnittlichen Wohlstandsverhaeltnissen. Deswegen bietet man in ihren Augen ein gutes Opfer um angebettelt, oder im Extremfall ausgeraubt zu werden. Letzteres Risiko laesst sich recht gut minimieren, indem man nicht offensichtlich den Orts- und Kulturfremden heraushaengen laesst. Sprich zielloses Herumschlendern, laute Diskussionen in der Heimatsprache oder demonstratives zur Schau Stellen, wie man den Stadtplan moeglichst gross falten kann, sollte vermieden werden. Auch Praesentieren elektronischer Geraete wie Handys, Digitalkameras, Laptops usw. ist keine sehr gute Idee. In Sueadafrika werden sehr viele Verbrechen veruebt, dazu kommt, dass die Kriminalitaet hier besonders brutale Ausmasse angenommen hat, weswegen es an der Tagesordnung ist, Wachmaenner mit Uzis oder MGs herumstolzieren zu sehen.
Wenn man sich mit dem Thema Sicherheit in Suedafrika beschaeftigt, spielt HIV/Aids ebenfalls eine sehr grosse Rolle. Auf diesem Gebiet sind viele Menschen leider immer noch nicht richtig aufgeklaert, ein guter Naehrboden fuer Irrglauben. Im Volkswund wird zum Beispiel behauptet, dass man die Krankheit Aids relativ einfach wieder los wird, man muesse nur mit einer Jungfrau schlafen. So kommt es leider oft dazu, dass kleine Madchen vergewaltigt und haeufig dann eben auch angesteckt werden. Oder wenn man sich Jacob Zuma anschaut, der Chancen auf das Amt des Praesidenten hatte: Zuma hatte Geschlechtsverkehr mit einer Frau, von der er wusste, dass sie HIV-positiv war. Er verzichtete auf Verhuetung, die Sache gelangte an die Oeffentlichkeit und zur Rede gestellt behauptete er, dass Ansteckung nicht moeglich gewesen waere, er haette doch hinterher geduscht. Aber das ist wieder ein anderes Thema, ueber das ich an anderer Stelle ausfuehrlicher berichten will. Allen Sicherheitsrisiken zum Trotz ist Durban eine wahnsinnig interessante und aufregende Stadt. Wir haben auch den Victoria-Market besucht, ein indischer Markt, auf dem man exotische Gewuerze aller Art erstehen kann.
KMB said,
August 31, 2006 at 8:38 pm
Da ich mal für die AIDS-Hilfe tätig war, kann ich zu dem zweiten Teil nur den Kopf schütteln.